Zoom vs. Olympus – MP3-Rekorder im Test
Vorneweg sei gesagt: Dies ist ein rein subjektiver Test. Selber gekauft habe ich mir vor einigen Jahren den Zoom H4, das Nachfolgemodell H4n habe ich mir zum Test schicken lassen und den Olympus LS-10 habe ich als Preis gewonnen für den European Podcast Award. Los geht’s. Diese drei stehen zur Wahl:
Aussehen: Ganz klar – der erste Platz geht an den Olympus. Er ist schmal und klein, handlich und aus Metall verarbeitet. Die Bedienungsknöpfe sind robust, die Verarbeitung des Gerätes ordentlich. Die Mikrofone sind oben am Gerät links und rechts befestigt, so dass das Gerät aussieht wie Mickey Mouse. Vorteil: Der Windschutz ist innen mit einer Vorrichtung versehen, die ihn einrasten lässt – anders als beim Zoom. Da habe ich schon einige der Dinger verloren – und die sind teuer! Der alte Zoom wirkt durch das Plastikgehäuse billig, ist aber dennoch schlank und liegt gut in der Hand. Klobig dagegen der neue Zoom. Zwar mit verbesserter gummierter Oberfläche, aber trotzdem noch Vollplastik und alles andere als edel. Dazu ist er dicker und schwerer als das Vorgängermodell. Schade. Das größte Display hat der neue Zoom, beide neuen Geräte haben ein pixeliges aber sehr gut auch ohne Brille oder Lupe erkennbares Display. Kleiner Nachteil am Olympus: Er steht nicht stabil! Stativ ist also angesagt.
Gewicht: Unwichtig im Studio, schon wichtig im Außeneinsatz. Denn wer will schon kiloweise Equipment rumschleppen? Hier ist der Olympus mit 117 Gramm das Leichtgewicht, gefolgt vom alten Zoom mit 191 Gramm und dem neuen Zoom mit 284 Gramm. Natürlich immer ohne Batterien gewogen.
Bedienung: Schlusslicht ist was die Bedienung angeht der alte Zoom. Alles andere als intuitiv zu bedienen, mit Wahlrad das man aber hin und wieder drücken muss und einem Jog-Wheel, das auch manchmal zum Einsatz kommt. Wann was dran ist, schien bei den Entwicklern dem Würfelprinzip zu unterliegen. Der neue Zoom macht die Bedienung um einiges leichter, Tasten wie “Mic” oder “1/2″ für die Auswahl des internen Mikros oder der Line-Ins sind wirklich oft im Einsatz und klug an die Frontseite gelegt. Der Olympus hat ein Jog-Wheel in der Mitte, das gut funktioniert, dazu einen Löschknopf (Vorsicht!) und eine Funktionstaste, die man selber belegen kann. Praktisch. Menüführung ist meiner Ansicht nach bei beiden neuen Modellen nicht zu bekritteln.
Ausstattung: Was haben sie nun, die neuen, was der alte nicht hatte? Ganz klar: Lautsprecher. Und einen Fernbedienungsanschluss. Die Fernbedienung war beim Olympus übrigens gleich mit dabei, während es das Netzteil dort nur als Zubehör gibt. Komische Priorität. Beim Zoom ist es andersrum. Großes Plus für den Zoom: Am unteren Ende sind zwei Eingänge für große Klinke bzw. XLR. Bedeutet: man kann zwei externe Mikrofone anschließen, ohne Qualitätsverlust. Der Olympus dagegen hat einen Miniklinken-Line-Eingang. Das war’s. Alle Geräte haben einen Stativ-Andocker, das ist also kein Problem. Kopfhörer kann man ebenso überall anschließen, und alle Geräte funktionieren mit zwei AA-Batterien. Beim Zoom H4n ist eine 1GB-SD-Speicherkarte mit dabei, beim Olympus LS-10 sind gleich 2 GB mit eingebaut. Erweiterbar durch SD-Karten. Während es beim Olympus ein schickes Stoff-Täschchen dazugibt, wird der Zoom in eine billig wirkende Tupperdose eingelegt. Auch der riesige Schaumstoff-Windschutz ist beim Zoom eher abschreckend und häßlich.
Hörtest: Genau hier liegt die Krux. Wer klingt denn nun besser? Die eingebauten Mikrofone zeigen deutlich einen Unterschied. Der Zoom ist satter, mit mehr Bässen, während der Olympus etwas oberflächlich klingt, eben mehr wie nach Diktiergerät als genau abgebildetem Klang. Zunächst mal also alle drei Geräte im Test:
Der “alte” Zoom H4:
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Der “neue” Zoom H4n:
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Und der Olympus LS-10:
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Alle 3 Geräte funktionieren auch mit angeschlossenen Mikrofonen, dann wird’s aber sehr leise… Phantomspeisung geben sie auch, wobei dann die Batterien schnell zur Neige gehen – ist ja auch klar.
Preis: Der Olympus wurde enorm runtergesetzt, so dass die Preise bei Amazon derzeit so aussehen:
Fazit: Mein Ergebnis ist halbgar: Bedienung und Aussehen gehen ganz klar auf das Konto des Olympus LS-10, den kann man wunderbar in einer Handtasche mit sich rumtragen um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Der Zoom hat aber für mein Empfinden das viel bessere Klangbild, wärmer und natürlicher. Könnte ich nicht einfach einen Zoom im Olympus-Pelz bekommen, bitte?
Ich habe hier nicht alle Funktionen ausprobiert, natürlich gibt es Limiter in den Geräten und Kompressoren und pipapo. Mir geht es aber darum, die Grundfunktionen zu testen. Für Podcaster mit geringeren Ansprüchen, die einfach nur mobil sein wollen, spricht alles für den Olympus. Wer das Gerät auch im Studio einsetzen möchte, der sollte sich den Zoom zulegen. Mehr Fazit geht nicht.
Kommentar schreiben bzw. Trackback anlegen
Ich mache seit 2005 diesen Podcast hier, und ich liebe es nach wie vor. Eigentlich bin ich Journalistin. Mehr zu mir gibt es 











21. August 2009 @ 09:32
Hallo Annik, kann deinen Test nur bestättigen. Eigentlich wollte ich auch einen handlicheren Recorder und aus Metal sollte er sein, aber nach Aufnahmen und Hörtest beim örtlichen Händler habe ich mich auf Grund des Klangs gegen den Olympus und für den neuen Zoom entschieden. Zum Olympus muss man noch sagen daß das neue Modell LS 11 kurz vor Auslieferung ist. (Ende August 2009,deswegen die Preissenkung beim LS !0) Mehr Soundbeispiele demnächst bei mir
21. August 2009 @ 10:20
Wow, gut das Du den Hörtest publik gemacht hast. Die Qualitätsunterschiede höre sogar ich mit meinem ungeübten Ohr heraus. Dein Fazit ist nachvollziehbar
21. August 2009 @ 10:41
Der H2 von Zoom ist auch nicht zu verachten, hatte ihn mir von einem Verkäufer aufschwatzen lassen, als ich eigentlich den H4 wollte. Der H2 ist mit seinen vier eingebauten Mikrofonen für Rundum-Aufnahmen für meinen Zweck sogar das bessere Gerät, denn bei Chorproben hängt er immer in der Mitte zwischen allen Chorstimmen, und wenn er bei Auftritten vor dem Chor steht, habe ich quasi auf der einen Stereospur den Chor selber und auf der anderen Stereospur die natürlichen Hallreflexionen, sodaß sich meistens ein sehr ansprechender Klangmix daraus machen läßt, auch wenn keine Profi-Tontechnik anwesend ist. Er hat allerdings im Gegensatz zu den H4-en kein internes Multitrack Editing, also Weiterverarbeitung dann immer über den PC oder Mac.
21. August 2009 @ 11:14
Ja, und auch der H2 hat keine Klinken-/XLR-Eingänge, das ist für mich ein großes Manko…
24. August 2009 @ 16:19
Hallo Annik,
danke für deinen Vergleich. Ich würde noch gerne eine Empfehlung für den PMD 620 aus dem Hause Marantz ausprechen. Beim Thema Bedienbarkeit liegt der ziemlich weit vorne. Ich habe das Aufnahmegerät für meine Mutter gekauft, und das mag echt was heißen! Auch wenn er mit rund 370 Euro nicht gerade günstig ist.
http://www.thomann.de/de/marantz_pmd_620.htm
Wer einen kleinen Soundcheck braucht, möge kurz hier rein hören:
http://technikwuerze.de/podcast/technikwuerze145/
Der Podcast ist an einem wenig windigen Tag mitten aus Hannovers Innenstadt mit dem PMD aufgenommen und lediglich mit einem GarageBand-Filter versehen.
Beste Grüße in den Süden,
Marcel
PS: Podcaste mal wieder weiter! Wir warten
11. September 2009 @ 22:48
Ich habe einige Aufnahmen mit dem Zoom H2 gemacht und bin in Bezug auf Klang und Ausstattung bisher sehr zufrieden. Mit der optimalen Auswahl der eingebauten Mikros (90°/120°/Surround) musste ich erstmal experimentieren, aber dann war es “rund”. Auch beim H2 erscheint mir der Klang für das kleine Gerät “warm” und “voll”. Es ist für mich daher das ideale Einsteigergerät mit einem guten Preis-/Leistungsverhältnis.
30. September 2009 @ 14:42
eine gute und einfache möglichkeit den etwas flachen sound des LS-10 mit der mitgelieferten Software Cubase LE4 “aufzufrischen” ist hier zu finden:
http://www.avguide.ch/index.cfm/show/page.view/uuid/5C3DF97E-AC64-24C3-A1F2D2AFF895B602